Anleitung zum Begriff der „Neuen figurativen Malerei"- Zbigniew Wendt über seine Arbeit -1999
Vorweg will ich auf die „Mutter der Künste" deutlich hinweisen:
auf die
Freiheit der Kunst !Sie ist selbstverständlich und eine Voraussetzung für jedes künstlerische Schaffen. Auch bei dem nachfolgenden Text verliere ich dies keineswegs aus den Augen. Ich spezialisiere lediglich meinen Blick auf die, mich betreffende Disziplin der Kunst: die Malerei.
Es erfordert den Entschluß sich vom Ballast zu lösen d.h. die Nicht-Malerei und insbesondere die endlose Erweiterung des Kunstbegriffes - folglich der Kunst selbst - hinter sich zu lassen.Dies gelingt durch die Untersuchung der Kunstwerke. Betrachtet man die abendländische Kunstgeschichte. so erscheint das Rückgrat der Malerei mit großen und kleinen Meistern - wobei die Werke wohl zuverlässiger sind als ihre Schöpfer im Hinblick auf die Suche einer hohen künstlerischen Ebene. Nicht jedes Werk von einem Meister ist automatisch ein Meister-Werk, auch wenn es so oft herbei beschwört wird. Obwohl Meisterwerke zeitlos sind. ihre Schönheit fasziniert fortan, spielt die kunstgeschichtliche - also auch eine zeitliche - Einordnung eine wesentliche Rolle. So erscheinen z. B. Kunstwerke, die längst überholt sind, die schon mal gemalt wurden. Ein Zeugnis der künstlerischen Schwäche ihrer Erschaffer. Auch sie betrachte ich als Ballast.
Es zeigt sich jedoch. daß die Qualifikation des Künstlers zum großen oder kleinen Meister von seiner Motivation zum künstlerischen Schaffen abhängig ist. Dabei empfiehlt es sich. nicht nur den Geschichten der Künstler zu lauschen seien sie auch noch so ehrenvoll und aktuell. son-dern mit dem visuellen Vermögen jene Aussagen mit dem Werk in kritische Relation zu setzen. Dies geschieht durch Vergleichen mit bewährten Größen. Bei diesem Vorgehen kristallisiert sich ein Urteilsvermögen von überraschender Schärfe. Manche Meister und Meisterwerke verfallen. Einem Kunstlaien ist es vielleicht nicht nachvollziehbar. Ein Kunstkenner mit ausreichenden Kunstkenntnissen und ausgestattet mit visueller Intelligenz wird dieses in Erfahrung bringen.
Als Kunstschaffender fühle ich mich von dieser Situation betroffen. Ich fühle mich geradezu verpflichtet der Verflachung der Kunst. Verzerrung. der Entwertung und Degradierung der Malerei als Malerei entgegenzuwirken und diesem künstlerischen Anliegen in meiner Arbeit die Priorität zu geben. Meine Malerei nimmt eine mögliche Form der Kunst an. die diese Problematik sichtbar macht und sie überwältigt. Selbstverständlich gibt es auch nebensächliche Einflüsse, die meine Arbeit mitprägen: Schwächen für Schönheiten und Häßlichkeiten. meine Vorlieben. persönliche Probleme. Kommentierung von Zeitgeschehen. u.v.a..
Meine persönliche Ausbalancierung ist von gravierender Bedeutung für die endgültige Form meiner Bilder.Deren Erforschung durch Dritte dient dem Nahekommen mehr zum Künstler hin, als zum Geheimnis des Bildes. Die Konsetalation meiner Beweggründe - also die endgültige Form eines Bildes - ist wohl ein Hinweis, daß ich keine wissenschaftliche, sondern eine künstlerische Arbeit leiste. Letztendlich um konkreter zu sein und meine Malerei direkt anzusprechen: Meine Bilder entspringen der figurativen Welt . Formgebend sind die sichtbaren Dinge und mein inneres Vermögen. ich betrachte sie kritisch Im Bezug zur Natur und den neuen Hochformen (Meisterwerke der Kunst). Sie sind schließlich die Richter über mein Schaffen. wobei es mein Ziel ist, sie zu überhöhen. gegen sie anzukämpfen. Ein Geheimnis bezüglich der Entstehung wird bleiben. auch wenn man bedenkt. daß der Zufall und die Intuition immer mitformen. Meine Malerei bezieht sich selbstverständlich nicht nur auf die semantische Seite eines Bildes sondern auch auf alle anderen Aspekte. die ein Gemälde ausmachen. z.B. Form, Komposition, Kontraste. u.v.a...
Meine Arbeit bringt Bilder hervor, die als die neue Figuration bezeichnet werden könnten Spezifisch ist das Zusammenspiel verschiedener Malweisen, sich begegnend auf unterschied-lichen Ebenen in einem Bild, die zum Teil starke Verschleierung der Thematik, die zurückhaltende Dramatik, die nicht naturalistische Perspektive und lokal nicht gebundene Farbgebung - als Merkmale meiner persönlichen malerischen Lösung.
Trotz alledem entzieht sich meine Arbeit keineswegs dem Urteil über ihre Beständigkeit In der Kunstgeschichte.
Die persönlichen Vorlieben weichen der allgemeingültigen SCHÖNHEIT aus und laden zu einer kompetenten Untersuchungen - wobei ihre Ausstrahlung unangetastet bleibt.